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Von Mumbai nach Kolkata – im Luxuszug quer durch Nordindien

Im luxuriösen Sonderzug durch Nordindien

Namaste in Nordindien! Das heißt Guten Tag. Bei der Kreuzfahrt auf Schienen begegnet es einem überall freundlich. Ob am Taj Mahal oder in Varanasi – im „Deccan Odyssey“ reist man zu Nordindiens Perlen.

Große Kulisse am Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus: Trommelmusik schallt durch die Luft, Tänzer mit Turban wirbeln über das Bahngleis, legen Tagetes-Girlanden um jeden Hals und markieren den roten Punkt auf jeder Stirn. Das hinduistische Symbol – Bindi genannt – markiert das „dritte Auge“ für Erleuchtung und Schutz. Auf Mumbais berühmtem Bahnhof, bis 1888 während der britischen Kolonialzeit im Stil der viktorianischen Neogotik erbaut und einer der größten Bahnhöfe der Welt, wartet der Sonderzug „Deccan Odyssey“ auf die Gäste. Aufregender kann Ankommen kaum sein.

Wir besteigen den blauen Zug, der für die nächsten sieben Nächte unser Zuhause ist: Grandhotel-Flair in jedem der 21 Waggons. Vor den stilvollen Schlafkabinen warten die Butler, um beim Ankommen behilflich zu sein: Passt die Raumtemperatur? Darf es eine Tasse Tee sein? Die in der Luxus-Hotellerie ausgebildeten Männer wie der 42-jährige Kunal Kesarkar stehen während der Reise für den Kabinenservice fast rund um die Uhr hilfsbereit zur Verfügung.

Dann rollen wir los: Während im Speisewagen das Abendessen serviert wird, gleitet draußen das Leben in den Mumbaier Vororten an uns vorbei. Frauen in bunten Saris, Kinder zwischen Wellblechhütten, Sadhus mit langen Bärten (Mönche) im Schneidersitz an den Gleisen und heilige Kühe suchen in Abfallhaufen nach Essbarem: Es ist ein exotisch buntes Wimmelbild, das am Zugfenster vorbeizieht. Indien – etwa neunmal größer als Deutschland und mit rund 1,45 Milliarden Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat der Welt – ist ein Land der Gegensätze. Arm und Reich liegen nahe beieinander. Zwar ist die Armutsquote in den letzten 20 Jahren von 55 auf heute etwa 15 Prozent gesunken, doch gilt die Lage für Millionen von Indern laut Welthunger-Index als ernst. So fällt der Blick aus dem Zugfenster auch auf Bettler, Slums und einfaches Leben. Es ist eine Reise, die lange in der Seele widerhallt.

Zwei Tage zuvor sind wir in Mumbai angekommen und eine der Bevölkerungsgruppen, die für ihr Leben hart arbeitet, sind die 3000 Familien, die im Viertel Dhobi Ghat leben. Hemden, Hosen, Handtücher hängen in der Freiluft-Wäscherei auf den Dächern. Ein Stockwerk tiefer Männer an rund 1000 Steintrögen: 100.000 Wäschestücke werden hier täglich im Herz der Millionenmetropole gereinigt, getrocknet und gebügelt. Die Auftraggeber sind Hotels, Krankenhäuser, die indische Eisenbahn oder private Haushalte.

Das Rattern der Schienen wirkt wie ein Schlummerlied im Zugbett, doch keine Sorge auf den Weckdienst des Butlers ist Verlass: Vadodara im Bundesstaat Gujarat begrüßt uns passend zum größten Industriezweig mit Baumwollketten und einem Hut in Schiffchenform, den auch Mahatma Gandhi trug. Indiens berühmter Kämpfer für Gewaltlosigkeit und Unabhängigkeit stammt aus Gujarat, das mit zwei zum UNESCO-Kulturerbe zählenden Moscheen im Dorf Champaner verzaubert. Mit mehr Pracht wartet der Lakshmi Vilas Palast auf, der viermal so groß wie der Buckingham Palast in London sein soll. Unser Besuch wird erlebnisreich inszeniert: Beim Betreten „regnen“ Rosenblätter auf unsere Köpfe, während wir durch den indo-sarazenischen Prunk mit plätschernden Springbrunnen zum „High Tea“ in der Festhalle schreiten.   

In den Folgetagen sind wir in Rajasthan. Hier sieht man das Indien, wie man es sich vorstellt. Udaipur und Jaipur sind magisch-schöne Städte mit gewaltigen Palastanlagen der Maharadschas, die seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 als Geschäftsleute leben und oft in Teilen ihrer Paläste wohnen. In Udaipur geht es auf dem Pichola-See vorbei an der Insel Jag Niwas mit dem Taj Lake Palace, heute eines der schönsten Hotels Indiens, das für den Bond-Film „Octopussy“ als Kulisse diente. In der grandiosen Festung Amber, nahe Jaipur, erbaut am Hang der Aravelli-Bergkette bringen Elefanten Besucher hoch zum Palast – ein malerischer Anblick. Doch nachdem es mehrere Unfälle gab, weil die gestressten Dickhäuter Menschen angriffen, fahren wir mit Jeeps den Berg hinauf.

Es regnet in Strömen als wir den Ranthambore-Nationalpark erreichen – kein Wetter für Raubkatzen. Die etwa 40 hier lebenden Tigern bleiben im dichten Dschungel. Dafür schlagen alle Herzen am nächsten Tag höher: Wir sind am Taj Mahal in Agra. Indiens Wahrzeichen und Symbol für die große Liebe ist ein Architektur-Traum aus weißem Marmor mit im Licht funkelnden Edelstein-Intarsien, fertig gestellt 1643 als Mausoleum für Mumtaz Mahal, der Lieblingsfrau des Großmoguls Shah Jahan. Dann Kulissenwechsel: Varanasi ist das wichtigste Pilgerziel der Hindus und ein eigener Kosmos. Menschen stehen im trüben Wasser des Ganges, beten und tauchen unter. Bettler und Sadhus sitzen auf den Stufen der Bade-Ghats und dazwischen lodert an den zwei Verbrennungsplätzen Feuer. Hier lassen Angehörige ihre Toten einäschern und die Luft ist mit Rauch und süßlichem Geruch geschwängert.

Am nächsten Morgen heißt es in Siliguri in Westbengalen Abschied nehmen vom „Deccan Odyssey. Doch wir steigen um ins nächste Abenteuer: Im Zug gehts ins Himalaya-Gebirge.

Fortsetzung weiter unten!

Der Deccan-Odyssey –
ein Zug im Maharadscha-Stil

Dicke Teppiche, bunte Tapeten, holzvertäfelte Wände und gemütliche Polstermöbel: Der „Deccan Odyssey“ bietet Platz für 88 Gäste. Er hat 40 geschmackvoll eingerichtete Doppelkabinen mit Bad sowie zwei Suiten, die je zwei Bäder haben. In der Mitte des Zuges befinden sich zwei Speisewagen plus zwei Küchen, ein Bar-Wagen und einen Salon mit Fernseher und kleiner Bibliothek. Dazu gibt es einen Fitness- und Spa-Wagon inklusive kleiner Sauna. Hier kann man Kosmetik- und Wellness-Anwendungen sowie Friseur-Besuch buchen.

Seit 2023 ist Simarpal Singh Virdi der Manager des Zuges. „Unser Team besteht aus 48 Mitarbeitern plus 10 Mitarbeitern der indischen Eisenbahn“, erzählt er. Der „Deccan Odyssey“ fährt in den meisten Fällen nachts wie bei einer Kreuzfahrt auch und erreicht am nächsten Morgen einen neuen Bahnhof. Der Zug ist dem regulären Schienenverkehr untergeordnet und muss daher auch manchmal nachts warten, während die Passagiere in ihren Kabinenbetten schlafen.

Das Küchen- und Serviceteam ist gut eingespielt und leistet in den beiden kleinen Küchen hervorragende Arbeit. „Wir bereiten alles frisch zu. Auch Brot, Muffins, Kuchen oder Croissants backen wir selbst. Nur Eiscreme und Tiefkühlware wie Fisch kaufen wir vorab ein. Für Obst, Gemüse und Fleisch haben wir Händler, die uns unterwegs beliefern“, erzählt der Zug-Chef. Meine Meinung: Essen und Service sind ausgezeichnet und zur Wahl stehen indische und europäische Gerichte.  

Per Dampflok nach Darjeeling

Zwischen Teeplantagen und bunten Kolonialhäusern: Der einstige Sommersitz der Briten bietet atemberaubende Ausblicke auf die eisgepanzerten Riesengipfel des östlichen Himalayas

Der Heizer schaufelt Kohle in den glühenden Schlund. Fauchend fährt die Dampflok los. Kühe und Hunde treten zur Seite, Bewohner springen zurück auf ihre Türschwelle. Die Darjeeling Himalayan Railway – liebevoll „Toy Train“ genannt – zuckelt zum Greifen nah an Gemüseständen und Wohnhäusern vorbei und das seit 1881. Damals ließen die Briten die 87 km lange Schmalspurstrecke von Siliguri im westbengalischen Tiefland nach Darjeeling auf über 2000 Metern Höhe für die aufblühende Teeindustrie bauen. Im Gleis-Zickzack geht’s hoch ins vordere Himalaya-Gebirge – oft am Abgrund an Baumriesen und Teepflanzen vorbei. Rund alle zehn Kilometer braucht die Lok neues Wasser, damit der Kessel nicht explodiert: Ein halbes Dutzend Mechaniker ist dann damit beschäftigt, die „alte Lady“ zu betanken und die eine oder andere Schraube nachzuziehen, damit sie auch die nächste Steigung meistert. Eine Abenteuerstrecke, die seit 2005 zum UNESO-Weltkulturerbe gehört.

In Darjeeling angekommen, fühlt sich Indien anders an: Die Stadt mit 120 000 Einwohnern ist ein Schmelztiegel aus den angrenzenden Kulturen mit Menschen aus Nepal, Sikkim, Tibet und Bhutan. Über den Straßen wehen buddhistische Gebetsfahnen, viele sprechen Nepali und am Steilhang kleben pastellbunte Häuser mit Wellblechdächern. Ab 1839 bauten die Briten das abgelegene Bergdorf zu einer „Hill Station“ aus, um in den Sommermonaten dem schwül-heißen Klima der damaligen Hauptstadt Britisch-Indiens, Kalkutta, zu entfliehen und um zuerst Kaffee und später Tee anzubauen.

Darjeeling-Tee gilt als der Champagner unter den Teesorten, vor allem der „First Flush“ aus der ersten Frühlingsernte ist berühmt für sein frisches Aroma. Teeläden reihen sich im Stadtherz aneinander, das aus einem fast unüberschaubaren Gassengewirr besteht. Ganz oben am Hang: Kolonialanwesen aus dem 19. Jahrhundert, heute oft charmante Hotels.

Doch Darjeelings Höhepunkt ist die spektakuläre Sicht auf den dritthöchsten Berg der Welt: der 8586 Meter hohe Kangchendzönga. Vom „Tiger Hill“ ist der Blick auf den weiß glitzernden Riesengipfel, wenn er am frühen Morgen seine Wolkenhülle ablegt, atemberaubend. Wer mehr über das Dach der Welt erfahren möchte, besucht das Himalayan Mountaineering Institut (HMI). Das Herzstück des Museums widmet sich der Eroberung des höchsten Gipfels sowie dem Sherpa Tensing Norgay. Er bestieg 1953 zusammen mit Edmund Hillary als erster den Mount Everest und wurde übrigens an einer Schweizer Bergsteigerschule ausgebildet.  

 Namaste in Kolkata

Prachtbauten neben Slums und ein faszinierender Blumenmarkt: Die Hauptstadt Westbengalens, die bis 2001 Kalkutta hieß, hat eine vibrierende Energie

Eine Flugstunde von Bagdogra und wir sind in Kolkata am Hugli, ein Nebenarm des Ganges. Die Millionenmetropole schmeckt scharf und süß, ist brüllend laut und Vogelgezwitscher-leise und von junger Dynamik. Kolkata ist aufregend und wird von Europäern oft nur als Umstieg nach Fernost genutzt. Möglich, dass der  Einsatz von Mutter Teresa bei uns den Eindruck hinterlassen hat, die Stadt nicht als attraktives Urlaubsziel zu sehen. Schade, denn einer der sehenswerten Orte ist ihr Ordenshaus im Viertel Taltala. Der 1952 gegründete Hauptsitz der Missionarinnen der Nächstenliebe strahlt wohltuende Ruhe aus. Vor der Tür braust der Verkehr mit gelben Taxis der indischen Marke Ambassador vorbei, innen ist das blaue Haus eine friedliche Oase. Hier ist die berühmte Ordensschwester, die sich für Kranke und Arme einsetzte und 1979 den Friedensnobelpreis erhielt, beigesetzt. Ein Stück südlich davon noch eine Oase: Das Victoria Memorial – fertig gestellt von den Briten bis 1921 zu Ehren von Königin Victoria, die bis 1901 Kaiserin von Indien war – ist ein Prunkbau aus Marmor in einem weitläufigen Park mit Springbrunnen. Es ist mit fünf Millionen Besuchern jährlich eines der beliebtesten Museen in Indien, nur das Taj Mahal in Agra besuchen mehr Menschen. Obwohl das Gebäude ein Sinnbild für koloniale Macht ist und an eine Zeit erinnert, die für den Großteil der indischen Bevölkerung mit Unfreiheit und Unterdrückung verknüpft sein dürfte, bildet sich vor der Victoria-Statue eine Warteschlange, weil nahezu jeder Inder ein Erinnerungsfoto mit der steinernen Ex-Kaiserin möchte.

Dann Kulissenwechsel: Der Weg zum Mullick Ghat Blumenmarkt führt an im feucht-heißen Klima schnell verfallenen Palästen vorbei, die einst Portugiesen, Griechen oder Armeniern als Handelsniederlassungen dienten. Dazwischen simple Hütten und dunkle Straßenküchen, in denen die Marktarbeiter leben und essen. Am frühen Morgen ist der Blumenmarkt ein Erlebnis für alle Sinne: Ein berauschender Duft von tonnenweise frischen Rosen und Jasmin liegt in der Luft. Händler und Einkäufer rufen sich im chaotischen Gewühl Sätze auf Bengali zu, um dann auf schmalen Pfaden in der Menschenmenge große Ballen mit Blütengirlanden abzutransportieren. Seit 1855 gibt es den Markt am Ufer des Hugli-Flusses nahe der heutigen Howrah-Brücke und von hier hat man auch die beste Sicht auf einen der größten Blumenmärkte Asiens. 

Die Reise fand auf freundliche Einladung von Lernidee Erlebnisreisen statt. 

Sie ist buchbar unter:

www.lernidee.de

www.shipntrain.ch

www.ruefa.at

 

Einreise und Visum: 

Für Indien muss man ein E-Visum beantragen, würde ich spätestens eine Woche vor Abflug machen. Sobald die Bestätigungsmail da ist, das E-Visum mit dem Passbild aufs Handy laden oder ausdrucken oder beides. Plus: Die Einreiseformulare aus Papier gibt es nicht mehr, daher muss man ein digitales Einreiseformular (E-Arrival Card) ausfüllen. Würde ich auch vor der Abreise machen.  

 

Reiseführer-Tipp:

Hans-Joachim Aubert: Indien der Norden, DuMont Verlag, ca. 27 Euro 

 

Foto-Credit: Petra Kirsch 

4 Kommentare

  1. Liebe Petra, vielen Dank für den wunderschönen Bericht über die gemeinsame Indien-Reise. Ich habe mich sogar auf einem der Fotos gesehen….;)

    1. Liebe Gabriele, vielen Dank für den netten Kommentar! Das freut mich sehr, dass dir mein Bericht gefällt und du dich auf dem einen Foto wiederfindest 🙂 herzliche Grüße Petra

      1. Hallo Jens, finde ich super, wenn du beim Lesen nochmal im Kopf alles abgereist bist. Und ja, Indien ist aufregend. Danke für deinen netten Kommentar! Petra

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