Von Ellen Alpsten
Stadt, Land, Fluss – oder andersherum: Auf Livingstones Spuren geht die Reise von den Victoriafällen bis in den Straßen-Dschungel von Kapstadt. Denn die Sehnsucht beginnt dort, wo Afrika endet.
Der Fluss steht in Flammen. Die ‚Sambesi River Queen‘ dreht sich träge der riesigen, orange-glühenden, und untergehenden Sonne zu – weshalb ist in Afrika der Himmel nur so viel weiter als anderswo auf der Erde? Doch das Boot hält respektvoll hunderte von Metern Abstand von dem „Rauch, der donnert“: Die Viktoriafälle. David Livingstone (1813-1873), der offizielle Europäische Entdecker der Wasserfälle, war überzeugt: Nur Engel können ein solches Wunder geschaffen haben. Seine Reise führte den Forscher und Missionar im Jahr 1870 vom Kap hoch an die Fälle: Wir machen uns in entgegen gesetzter Richtung auf den Weg. Das erste Zeichen dieses eines der erstaunlichsten Natur-Schauspiele unseres Planeten ist ein tiefes, unaufhörliches Grollen, das einen umringt. Es knattert wie tausend Hubschrauber, schluckt jedes Wort und der Boden vibriert unter den Füßen, während sich über den Baumwipfeln eine riesige weiße Wolke erhebt. Nur wenige Schritte später öffnet sich der Wald – und der Atem stockt: Fast zwei Kilometer breit stürzt der Sambesi über eine Basaltkante in eine schmale Schlucht: jede Minute donnern mehr als fünfhundert Millionen Liter Wasser wie jetzt nach der Regenzeit in die Tiefe. Gischt steigt über hundert Meter hoch auf und Regenbögen entstehen in alle Richtungen, vertikal, wie horizontal. Top-Tipp: Alles wasserdicht verschweißen, denn das Wasser findet seinen Weg zu Allem. Und noch zu mehr. Der Sambesi Fluss trennt zwei Länder: Ein Ufer liegt in Sambia, das andere in Simbabwe, wo wir für die Sunset Cruise an Bord der ‚Sambesi River Queen‘ gehen. Der Natur ist alles Grenzen ziehen Gottseidank egal: Flusspferde tauchen mit leisem Schnauben auf der Oberfläche auf. Ein mächtiges Nilkrokodil liegt bewegungslos auf einer Sandbank und scheint ebenso alt wie der Kontinent selbst. Am gegenüberliegenden Ufer lugt eine Gruppe Giraffen neugierig über die Schirme der Akazienwipfel hinaus. Die dänische Schriftstellerin Karen Blixen (1885-1962, Buch „Afrika – dunkel lockende Welt“, Film „Jenseits von Afrika“) vergleicht ihre Art, sich zu bewegen, mit Wasserlilien. Über allem liegt jenes goldene Licht, das nur Afrika wenige Minuten vor Sonnenuntergang kennt, und das jede Kontur weicher zeichnet wie auch die Welt entschleunigt. Auf der Fahrt zurück durch die kleine Stadt Victoria Falls erhellen Gaslaternen den bunten Kuriosa-Markt, Maiskolben rösten auf Kohlegrills und eine Mungo-Familie überquert im Dutzend billiger die Straße. Zurück am Victoria Falls Safari Club, wo wir unterkommen – das Haus liegt im Herzen des Nationalparks hoch über einem Wasserloch. Die Angestellten heißen uns mit einem Lächeln auf den Lippen willkommen. Ihre Namen? Wonder, Panache and Hope. So möge es für sie sein, immer.

Am nächsten Morgen geht es über die Grenze nach Botswana: Kasane ist das Tor zum Chobe-Nationalpark. An der Grenze werden Schuhe und Reifen im Kampf gegen die Maul- und Klauen Seuche desinfiziert und wer mit Kindern reist, muss deren Geburts-Urkunde vorzeigen können. Schon entlang der Straße wedeln Herden an Zebras mit dem Schwanz: Sie sind Botswanas National-Tier. Weshalb? In seinem Fell einen sich Schwarz und Weiß so friedlich in klaren Streifen. Hier ist für alle Platz – aber die Wahl des Tieres hat noch einen anderen Grund. Nach der Unabhängigkeit des Landes von den Briten war seine First Lady eine weiße Britin. Der erste Präsident, Sir Seretse Khama, hatte lange um diese Liebe, die in beider Studententagen in Oxford wurzelte, gekämpft – und schließlich gewonnen. Der Chobe Park ist riesig und die kleinen Flieger von Mack Air warten schon, um uns in sein legendär wildes und ursprüngliches Inneres zu bringen. Die Maschinen sind klein: Die Knie stoßen einem ans Kinn, und die Piloten sind gefühlt gerade Mal aus der Schule draußen, doch der Flug ist betörend. Tief unten schlängelt sich verschlungenen der Chobe-Fluss – und die senkrecht stehende Sonne wirft die Wolken als dunkle Flecken auf den grau-grünen Busch. Andere dunkle Flecken sind auch zu sehen: riesige Elefantenherden, die sich wie schwebend, durch die Savanne bewegen. Viele von ihnen sind ‚Breeding Herds‘: Erwachsene Weibchen kümmern sich um die Kälber allen Alters. Ihre Stille und Majestät sind unvergesslich bei einem jeden Sichten, das immer ein Geschenk der großartigen Natur bleibt: unplanbar, und unvorhersehbar. Nie wird deutlicher, warum dieses Land den Schutz seiner weiten Wildnis zu seiner wichtigsten Aufgabe gemacht hat.



Mitten in dieser Landschaft liegt die „Belmond Savute Elephant Lodge“, die ganz nach Botswanas Maxime dem kleinen, aber feinen Tourismus entspricht. Der Flugstreifen von Savute ist eine schmale Pistenschneise, ein verblichenes, von Hand gemaltes Schild weist zur Passkontrolle in den Busch. Der Guide Kenny begrüßt uns mit einem Aperitif am offenen Landrover: Das leibliche Wohl à la Safari ist eine unvergessliche Erfahrung und ein Luxus anderer Art. Jedes Reiskorn muss eingeflogen werden und jedes Zipfelchen Zivilisation im Herzen der Wildnis ist ein Privileg: Von dem abendlichen Gourmet Dinner hoch über dem Wasserloch, wo die Elefanten zum Trinken und Baden kommen, bis hin zur heißen Safari-Dusche, später, im Freien, und unter den Sternen. Aber Achtung, immer nach oben sehen: Leoparden lungern gerne in Bäumen.
Doch Savute erzählt noch eine viel ältere Geschichte: Auf glatt geschliffenen Granitfelsen finden sich Jahrtausende alte Felszeichnungen. Wessen Hand hat sie gemalt? Der Künstler ist uns heute unbekannt, oder doch: Die Vorfahren der San Busch Männer, so wird vermutet. Der Stamm, der heute in Namibia und dem Süden des Landes siedelt, mag damals hier im Norden gelebt haben. Wenn ja, dann erinnern die Felszeichnungen an eine San-Busch-Schule. Giraffen, Eland-Antilopen, Jagdszenen und geheimnisvolle geometrische Zeichen erzählen vom Leben der San, einer der ältesten heute noch existierenden Kulturen der Erde. Für sie waren Tiere Beute, aber auch Teil einer spirituellen Welt, in der sich Mensch und Natur verweben. Nicht weit davon stehen uralte Baobabs: Ihr Halbkreis bildet einen geheimnisvollen Hain, ihre gewaltigen Stämme erinnern an Skulpturen. Sie speichern über hunderttausend Liter Wasser und haben hier bereits Schatten gespendet, als in Europa das dunkle Mittelalter herrschte. Trotz seiner vielen medizinischen und kosmetischen Qualitäten ist der ‚Baum des Lebens‘ in Botswana streng geschützt, von der Borke bis zum Blatt, von der Wurzel bis zur Krone. Nach dem Tee im Schatten der Bäume – der ‚Tisch‘ am Kühler des Land Cruisers wird mit weißem Leinen gedeckt und das dampfende Getränk aus Silbernen Kannen serviert – geht es zurück in die Lodge: Ein Rudel seltener, vom Aussterben bedrohter wilder Hunde trottet neben dem Wagen her, ehe sie mürrisch einer Löwen-Mutter mit ihren zwei Jungen den Vortritt geben. Ein Gepard hat eine Impala (Antilope) geschlagen. Nun verdaut er, der Bauch dick und der Atem kurz, im Schatten eines Dornenbusches. Ein einsamer Büffel steht halb verborgen zwischen den roten Felsen des Leopardenberges – es heißt Abstand halten. Büffel werden bereits mit schlechter Laune geboren.

Der Mann vom Stamm der San Busch in der Kalahari weiß, wie man mit einem Skorpion umgehen muss, ohne gestochen zu

Der Tag geht, die blaue Nacht kommt. Die Venus heißt hier ‚Der Stern, der zum Abendessen ruft‘. Als wir unter dem samtenen afrikanischen Sternenhimmel auf der Terrasse der Belmond Lodge speisen, versucht tief unter uns ein Antilopen Männchen in seiner Herde der gut 30 Weibchen Ordnung zu halten.
Umsonst.


Nach dem Labyrinth des Busches lockt die unendliche Weite der Makgadikgadi Salzpfannen im Nordosten der Kalahari – eine der außergewöhnlichsten Landschaften Afrikas. Ein letztes Winken an Kenny, den besten aller Guides in Chobe, und dann hebt sich der MackAir Flieger hoch in den Himmel. Tief unter uns wandelt sich die Landschaft. Das Grün weicht. Büsche werden seltener. Der Sand nimmt überhand – aber ist es Sand? Denn schließlich bleibt dem Auge nur noch reines, weites Weiß. Vor Zehntausenden von Jahren bedeckte hier ein riesiger Binnensee von der Größe der heutigen Schweiz das Land. Als das Wasser verschwand, hinterließ es eine schimmernde Salzfläche, die jede Vorstellung von Weite sprengt. Bei der Ankunft hier hat die Stille Körper, der Wind zeichnet Muster in die Salzkruste, die Sonne ist unbarmherzig: Der Horizont flimmert in der Hitze, Himmel und Erde verschmelzen. Mitten in diesem großen Nichts liegt eine Fata Morgana: Das elegante ‚San Camp‘. Seine Zelte und ihre Ausstattung erinnern an die Expeditionen der großen Afrikaforscher – inspiriert haben sich die Eigentümer an der Kolonialen Klassik Ostafrikas. Weiße Zeltwand, poliertes Messing, dunkles Leder und bunt-verblasste Perserteppiche. Aber der Luxus wirkt nicht übertrieben, sondern wie ein Teil dieser Welt. Nie war ‚Gin o’Clock‘ (Drink zum Sonnenuntergang) willkommener: Die Gäste bedienen sich an der Bar und mischen sich bunt – Ärzte aus den USA, Meeres-Biologen aus Italien, ein Fotomodell aus New York, das auf Hochzeitsreise ist.



Am nächsten Morgen wollen wir das Camp noch bei Dunkelheit verlassen, doch auf der Terrasse des Zeltes herrscht Tohuwabohu. Ein ganzes Rudel Löwen macht es sich dort gemütlich, acht oder neun Tiere. Das Zelt ist fest zu gezippt, doch einem stockt der Atem: So aus der Nähe gehört ist ihr Grollen haarsträubend. König Löwe hat auf dem Swahili Sofa Position bezogen, seine Mähne dicht und schwarz. Drei Junge zerfetzen derweil den Sisal Teppich auf den Stufen, ehe sie mit den Fasern an den Pfoten im Staub rangeln. Mehrere Weibchen spielen mit den Samtkissen und reißen mit einem Ruck die Troddeln ab. Gottseidank gibt es einen Hinterausgang, wo der Jeep wartet! Als der Angstschweiß getrocknet ist, wird das Abenteuer grandios. Gegen die Morgenkühle sind wir in warme Ponchos gehüllt und die Wärmflasche auf dem Bauch ist sehr willkommen. Riesige Herden an Gnus ziehen über die Salzpfannen. Sie begrüßen das erste Licht mit einem Chor aus Blöken: Bitte genau hinhören. Diese Erinnerungen machen einen im Winter, zurück im Büro, glücklich. Der Tag beginnt, als wir an einem stillen, weiten Feld ankommen. Seine Oberfläche erinnert an einen Schweizer Käse, so sehr ist sie von Löchern übersät. „Gleich kommen sie,“ murmelt der Guide. Sie: Eine Siedlung an Erdmännchen! Da, und da, und auch dort, und einfach überall! Neugierig kommen sie immer näher, und richten sich auf ihre Hinterbeine auf, die Augen hellwach. Plötzlich springt eines auf einen Stein direkt neben einem, ehe unsere Knie, oder die Schultern zu einem besseren Aussichtspunkt erkoren werden. Ein magischer Augenblick, in dem die Distanz zwischen Menschen und Tier verschwindet. Zeit zum Frühstück in der Wildnis, wieder am Land Cruiser genossen: frisches, warmes Gebäck, harte Eier, Joghurt, Obst und heiße Schokolade neben Tee und Kaffee.




Die Salzpfannen sind noch immer die Heimat des uralten Stamms der San Busch Männer. Eine Begegnung mit den Menschen der Kalahari ist unvergesslich. Ihre Klicksprache ist eine der ältesten der Welt und ihr Wissen über Heilpflanzen, Wasserstellen und Tierfährten ist Jahrtausende alte gelebte Erfahrung. Wo wir nur Sand und Leere sehen, erkennen sie Spuren und Leben: Schlangen, Antilopen oder die ballonartige Wurzel einer Pflanze, deren Feuchtigkeit den Durst stillen kann. Es ist die älteste Art, unsere Welt zu lesen. Auch ihr Aussehen ist besonders: Die Lidfalte, die helle, cappuccinofarbene Haut und der runde Kopf. In Südafrika nennen sich die San dann Xhosa – Nelson Mandela war einer ihrer Prinzen.


Es gibt keinen größeren Gegensatz zu den endlosen Salzpfannen der Makgadikgadi als das Okavango-Delta. Mack Air fliegt hoch über Wasseradern, Lagunen und Inseln, die ein Mosaik aus Schilf und Papyrus rahmt. Der Okavango ist eines der großen Wunder Afrikas: Denn anders als Nil, Sambesi oder Kongo erreicht dieser mächtige Fluss niemals das Meer. Sein Wasser entspringt Tausende Kilometer entfernt im Hochland Angolas und verliert sich schließlich mitten in der Kalahari. So entsteht in einer Wüste eines der größten Binnendeltas der Erde, und ein Paradies für Tiere.
Die ‚Belmond Eagle Island Lodge‘ liegt auf einer kleinen Insel mitten in diesem Wasserlabyrinth. Ihre Lage gibt einem das kostbare Gefühl, die Wildnis fast für sich allein zu haben. Schmale Wasserläufe trennen eine Insel von der anderen. Als wir beim Frühstück sitzen, durchqueren Elefanten gemächlich die Kanäle. Die Wasserlinie zeichnet sich dunkel auf ihrem hellgrauen Leib ab. Nilpferde tauchen auf, schnaubend, die Augen listig und die Ohren wackelnd. Ihre persönlichen Kosmetiker, die weißen Kuhreiher, sind nie weit von ihnen entfernt. Krokodile lungern an den Ufern, reglos, und so geschickt getarnt wie Baumstämme. Perfekt lässt sich dieses Wasserlabyrinth mit dem Staken im ‚Moçoró‘ dem traditionellen Einbaum des Tswana Stammes entdecken: So reiste auch David Livingstone. Die Flügel der Libellen glänzen metallisch in der Sonne, Schilfrohrsänger nisten zwischen den grauen Rohren am Ufer und hoch oben kreist ein afrikanischer Fischadler. Bei der Heimkehr zum Camp hat sich eine Hyäne am Flugstreifen niedergelassen und wartet geduldig auf die Gaben der Nacht.


Am Ende des Deltas ist die kleine Stadt Maun der Ausgangspunkt unzähliger Expeditionen. Es herrscht eine besondere Stimmung: Vor kleinen Cafés stehen Safari-Geländewagen mit rotem Staub auf den Kotflügeln. Buschpiloten trinken ihren Kaffee neben Rangern in khakifarbenen Hemden. Im Minutentakt starten kleine Propellermaschinen in alle Richtungen des Deltas. Kaum eine Stadt Afrikas lebt so selbstverständlich vom Rhythmus der Wildnis wie Maun. Von hier aus führt unsere Reise weiter nach Süden.




Mit jedem Flugkilometer verändert sich die Landschaft. Die Weite Botswanas weicht der zerklüfteten Küste des Kaps, Weinberge erscheinen zwischen Bergen, und schließlich erhebt sich über dem Atlantik jene Silhouette, die wohl jeder sofort erkennt.
Der Tafelberg.
In Kapstadt treffen zwei Ozeane aufeinander, Kulturen vermischen sich, und hinter jeder Straßenecke öffnet sich ein neuer Blick auf Meer oder Berge. Seit mehr als einem Jahrhundert empfängt das „Belmond Mount Nelson Hotel“ Reisende aus aller Welt und steht für pure koloniale Eleganz. Seine rosafarbene Fassade ist eine Ikone und zwischen Palmen, alten Bäumen und blühenden Gärten herrscht jene entspannte Gelassenheit, die ein echtes Grand Hotel auszeichnen. Könige, Schriftsteller und Filmstars stiegen und steigen hier ab: Das „Nellie“ ist ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart mühelos ineinanderfließen.

Von hier bummelt man zur Victoria & Alfred Waterfront – kein Druckfehler, sondern der namengebende Alfred ist ein jüngerer Sohn der damaligen Königin, statt ihrem deutsch-stämmigen Mann. Wo einst im Hafen Frachtschiffe entladen wurden, flanieren heute Einheimische und Besucher. Live Jazz dudelt, Möwen kreisen um die Masten der Segelyachten, und der Duft von Kaffee liegt in der Luft. Im blauen Wasser des Atlantiks tummeln sich Pinguine und Robben. Über allem erhebt sich in einem ehemaligen Getreidesilo das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, Zeitz MOCAA, das nach dem Deutschen Jochen Zeitz benannt ist, einst CEO von Puma und heute Konservationist und Kunstsammler. Das Gebäude ist sensationell: Der britische Architekt Thomas Heatherwick ist für seine spektakuläre Verwandlung verantwortlich. Die kathedralenartige Eingangshalle ist so besonders und die weltweit bedeutendste Sammlung zeitgenössischer afrikanischer Kunst kraftvoll, überraschend und voller neuer Perspektiven auf den Kontinent, der viel zu lange nur durch die Augen anderer betrachtet wurde.
Am Nachmittag haben wir Glück: Das Wetter schlägt um, und die rotierende Seilbahn hoch auf den Tafelberg nimmt den Verkehr auf. Der Aufstieg zum Gipfel und der Rundweg dort oben gehört zu jeder Kapstadt-Reise. Hier öffnet sich ein atemberaubendes Panorama: Die Stadt schmiegt sich zwischen Meer und Berge, die dramatisch zum Atlantik hin abfallen – und weit draußen in der blauen Ferne liegt flach Robben Island. Die Insel wirkt unscheinbar, und doch gehört sie zu den bedeutendsten Orten der modernen Geschichte Südafrikas. Achtzehn Jahre verbrachte Nelson Mandela dort in Haft. Eine Mahnung, die die überwältigende Schönheit der Landschaft mit der Erinnerung verbindet, wie hart der Weg dieses Landes zur Demokratie war – und ist.
Nur wenige Kilometer entfernt wartet ein weiterer Schatz. Der Kirstenbosch National Botanical Garden gilt als einer der schönsten botanischen Gärten der Welt. Hier findet man ausschließlich Pflanzen des südlichen Afrikas: Riesige Proteen, leuchtende Aloen, seltene Zedern und jahrhundertealte Baobabs wuchern vor der gewaltigen Kulisse des Tafelbergs. Über hölzerne Stege erlaubt der sogenannte Boomslang-Baumkronenweg durch die grüne Fülle immer neue Ausblicke auf diese außergewöhnliche Landschaft.




Am Abend zeigt Kapstadt schließlich noch eine andere Seite – voller kulinarischer Köstlichkeiten. Im „Pier Restaurant“ verbindet Küchenchef John Norris den Reichtum der kalten Atlantikgewässer mit präziser moderner Kochkunst. Austern, Langusten und fangfrischer Fisch treffen auf südafrikanische Aromen und hervorragende Weine vom Kap, und alles wird auf verrückt verspielte Weise präsentiert. Wenige Minuten entfernt beweist das traditionsreiche „Aubergine“ und sein deutsch-stämmiger Chef Harald Bresselschmidt seit fast drei Jahrzehnten, warum Kapstadt heute zu den spannendsten Gourmetdestinationen der südlichen Hemisphäre zählt. Französische Technik, regionale Zutaten und kreative Leichtigkeit verschmelzen hier zu einer Küche, die ebenso kosmopolitisch ist wie die Stadt selbst.
Als David Livingstone vor mehr als 170 Jahren Kapstadt verließ, lag vor ihm das unbekannte Afrika. Er reiste mit Ochsenwagen, zu Pferd und zu Fuß, kartierte Flüsse, überquerte Sümpfe und vertraute auf Sterne und Kompass. Seine Expeditionen veränderten das europäische Bild eines ganzen Kontinents – wenn auch aus der Perspektive ihrer Zeit. Als Livingstone starb, wurde sein einbalsamierter Körper über tausende von Kilometern nach Dar es Salam getragen. Doch sein Herz, so bestimmte es sein Testament, wurde im Busch begraben.
Heute ersetzen Buschflugzeuge wochenlange Märsche, elegante Lodges die Zeltlager der Entdecker und Speed Boote die Moçoró Kanus. Aber Afrika gibt uns noch immer den richtigen Maßstab zurück: Mann ist zu Gast in Gottes eigenem Garten. Hier, zwischen dem Donner der Victoriafälle und der Stille der Salzpfannen, zwischen den Elefanten Savutes und den Wasserwegen des Okavango, zwischen den Geschichten der San und den Kunstwerken des neuen Afrikas in Kapstadt. Dieser Kontinent ist weit mehr als seine spektakulären Landschaften. Und hier, wo seine Erde endet, beginnt auch schon die Sehnsucht nach der Rückkehr: Genau hierhin. Und zwar bald bitte.

Weitere Informationen:
Anreise:
Die Anreise nach Südafrika bzw. zu den Victoria Falls ist beispielsweise mit Lufthansa oder Air France ab Frankfurt nach Johannesburg möglich.
Von Johannesburg geht es weiter, zum Beispiel mit FlySafair oder South African Airways, zum Victoria Falls Airport (VFA). Die Preise beginnen bei ca. 150 € pro Strecke.
Die Rückreise ab Kapstadt ist beispielsweise mit Lufthansa oder Condor möglich.
Für Flüge innerhalb des südlichen Afrikas zu den Lodges und Safari-Camps, bietet sich unter anderem Mack Air an: www.flymackair.com
ca. 500 USD pro Person und Strecke
Flugdauer: ca. 30–45 Minuten
Hotels & Lodges
Die folgende Rundreise wurde von der Autorin individuell mit folgenden ausgewählten Hotels und Lodges in Botswana und Südafrika umgesetzt:
Victoria Falls
Hotel Victoria Falls Safari Club
Ab ca. 370–510 € pro Zimmer
victoria-falls-safari-club.com
Kasane / Chobe-Nationalpark
Belmond Savute Elephant Lodge
Ab ca. 1.830 € pro Zimmer
Vollpension und Safari inklusive
belmond.com
Kalahari / Salzpfannen der Makgadikgadi
San Camp
Ab ca. 1.995 USD
(ca. 1.800 €) pro Person
Vollpension und Safari inklusive
Wichtig: Das Camp ist saisonal von April bis Oktober geöffnet.
naturalselection.travel
Maun / Okavango-Delta
Belmond Eagle Lodge
Ab ca. 3.800 € pro Zimmer
Vollpension und Safari inklusive
belmond.com
Kapstadt
Belmond Mount Nelson Hotel
Ab ca. 940–1.060 € pro Zimmer
belmond.com
Tipp: In der Nebensaison (Green Season / europäischer Winter) bieten viele Lodges günstigere Raten oder attraktive Paketpreise an, wenn mehrere Unterkünfte desselben Anbieters kombiniert werden.
Die Autorin reiste mit freundlicher Unterstützung von Belmond und Natural Selection.
Foto-Credit:
Ellen Alpsten (14)
Belmond / Mark Williams (5)
Natural Selection / Thomas Frew (10)
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