Venezianische Pracht, Wind im Gesicht, Delfine am Bug und Inseln am Horizont: An Bord der Star Clipper zu sein, ist ein stilvolles Erlebnis zwischen Abenteuer, Genuss und entspanntem Kreuzfahrtgefühl
Holzplanken knarzen, Taue surren über Messingwinden, der Wind lässt Haare und Röcke fliegen. Die Star Clipper gleitet mit acht Knoten über das Ionische Meer. Es ist unser siebter Tag an Bord des Segelschiffs – und zum ersten Mal während der elftägigen Kreuzfahrt von Venedig nach Athen – ist allein der Wind unser Antrieb. Ein Teil der 81 Passagiere liegt entspannt auf den Sonnenliegen an den beiden Pools, eine kleinere Gruppe beobachtet das Geschehen auf der Brücke. Alle paar Minuten gibt Kapitän Vadim Novikov dem Steuermann knappe Anweisungen, um den Kurs Richtung Peloponnes zu justieren. 3365 Quadratmeter weiße Segelfläche wölben sich über uns. Ein faszinierender Anblick, fast wie eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert, als schnelle Segel-Klipper Tee, Kaffee und Gewürze über die Weltmeere transportierten. Plötzlich knackt der Lautsprecher. Die Stimme des Kreuzfahrtdirektors Frédéric Jansen ertönt: „Backbord sind Delfine.“ Ein paar Pirouetten in der Luft, dann sind die Tiere wieder abgetaucht.


Eine Woche zuvor haben wir uns in Venedig eingeschifft. Die Star Clipper ist eines der wenigen Schiffe, die aufgrund ihrer Größe in Dorsoduro am Giudecca-Kanal nahe der Kirche I Gesuati anlegen dürfen – nur zehn Fußminuten vom Canal Grande und dem Markusplatz entfernt. Ozeanriesen, denen wir später in den Häfen von Dubrovnik, Kotor und Korfu begegnen, ist das verwehrt.
Zum Sonnenuntergang heißt es „Leinen los“. Vor der tiefroten Himmelskulisse zeichnen sich Venedigs Wahrzeichen ab: die gewaltige Barockkuppel Santa Maria della Salute und die Türme des Markusplatzes. Fast alle Passagiere stehen an Deck, filmen und fotografieren die Szenerie, die an Schönheit kaum zu überbieten ist.




Während die Star Clipper mit Kurs auf das kroatische Inselchen Lošinj in die Nacht hinausfährt, wird im Restaurant das Abendessen serviert. Nach Salat und Suppe stehen Fisch, Fleisch oder ein vegetarisches Gericht zur Auswahl. Käse und Dessert beschließen das Menü, das man im gemütlich-maritimen Ambiente mit Blick aufs Meer durch die Bullaugen genießt. Hungrig steht hier niemand auf. Auch mittags lässt sich der Küchenchef einiges einfallen: Es gibt ansprechende Büfetts mit verschiedenen Cooking-Stationen. Danach lockt ein Absacker an der Tropical Bar. Wahlweise zieht es die Gäste auf das vordere Deck unter den funkelnden Sternenhimmel oder zum Programm an der Bar. Modenschau, Quizabend, Kinonacht, Tanzkurs, Piraten- oder White Party – an Bord herrscht gesellige, ungezwungene Stimmung. Doch zu spät sollte man nicht ins Kabinenbett fallen, denn am nächsten Morgen wartet schon ein weiteres Highlight.
Inseln voller Entdeckungen
„Guten Morgen“, ruft Inge Schöps. Ein gutes Dutzend Yoga-Fans sind Frühaufsteher und kurz nach Sonnenaufgang auf dem hinteren Deck. Jeden Morgen üben sie vor einer glutroten Kulisse über dem Meer Sonnengruß und Lotussitz unter Inges Anleitung. So vitalisiert kann der Tag beginnen.
Um die Mittagszeit ankert die Star Clipper vor Mali Lošinj. Der Tender-Service verkehrt alle halbe Stunde zum Hafen des bildhübschen Inselortes und die Gäste takten ihren Ausflug ganz nach eigenem Geschmack.




24 Stunden später gleiten steile Felswände und Pinienhaine fast zum Greifen nah vorbei. Die Crew navigiert die Star Clipper durch den St.-Antonius-Kanal. Die Meerenge führt von der Adria nach Šibenik. Vorbei geht es an der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Festung St. Nikolaus, die die Venezianer im 16. Jahrhundert als mächtigen Schutzwall erbauen ließen. Darf es jetzt ein Ausflug zu den rauschenden Wasserfällen des Krka-Nationalparks sein? Oder ein Bummel durch Šibenik, eine der schönsten Hafenstädte Dalmatiens, mit der St.-Jakob-Kathedrale, einer der außergewöhnlichsten Kirchen Kroatiens?
Schwimmstopp auf dem Meer
Zurück auf der Star Clipper schmeckt das entspannte Bordleben so richtig nach Urlaub – und das erst recht, als irgendwo auf dem Meer kurz vor Dubrovnik wieder der Lautsprecher knackt: „Schwimmstopp auf der Steuerbordseite!“ Also rein in die Badesachen. Fast alle Gäste laufen über die Gangway nach unten und springen ins erfrischende Nass.
Dann Dubrovnik mit einer Liegezeit bis zum späten Abend, Kotor in Montenegro und die griechische Insel Korfu. Überall ist viel los, überall locken spannende Ausflüge – organisiert durch das Star Clipper-Team oder auf eigene Faust.








Der Wind trägt uns weiter zur Kykladeninsel Milos. Wir entdecken die weiße Felslandschaft von Sarakiniko an der Nordküste mit ihren mutigen Klippenspringern und stehen am Fundort der Venus von Milo. Die weltberühmte Marmorfigur der Göttin Aphrodite wurde hier im April 1820 zufällig von einem Bauern entdeckt und landete nach einer abenteuerlichen Reise auf dem Seeweg schließlich im Pariser Louvre.


Zwei Tage später erreichen wir Piräus bei Athen. Rund 1100 Seemeilen liegen hinter uns. Eine herrliche Segelkreuzfahrt geht zu Ende – und mit ihr eine Reise, bei der der Wind nicht nur unser Schiff, sondern auch den Rhythmus der Tage bestimmt hat.



Die Star Clipper
Wer an Bord der 1991/92 gebauten Star Clipper geht, sieht es sofort: Es ist eine andere Kreuzfahrtwelt – kein schwimmendes Ferienresort, sondern ein echter Großsegler. 115,5 Meter lang, 15 Meter breit ragt der Viermaster 63 Meter in den Himmel und ist in jedem Hafen der elegante Star. Unter Segeln schafft er erstaunliche 17 Knoten. Für die nötige Kraft sorgt zusätzlich ein 1.360-PS Dieseldoppelmotor.
Mit nur maximal 170 Gästen bleibt die Atmosphäre angenehm persönlich. 84 Kabinen, darunter neun Suiten, verteilen sich auf vier Passagierdecks. 74 Crewmitglieder kümmern sich um das Wohl der Gäste. Zwischen den Ausflügen locken zwei Swimmingpools, Restaurant, Piano- und Tropical-Bar.
Das Ambiente ist maritim-behaglich: Teakdeck, poliertes Messing, nautische Deko, eine Bibliothek mit Kamin vermitteln eher das Gefühl einer privaten Yacht. Ein Schiff für alle, die Kreuzfahrt lieber mit einer ordentlichen Brise Seefahrerromantik verbinden.






Die Reise fand auf freundliche Einladung der Reederei Star Clippers sowie dem Reiseveranstalter Star Clippers Kreuzfahrten statt.
Weitere Informationen:
Anreise:
z.B. mit Lufthansa ab Frankfurt bis Venedig und ab Athen retour ab ca. 450 Euro, www.lufthansa.de
Preisbeispiel:
Elf Nächte Segelkreuzfahrt von Venedig nach Athen mit der Star Clipper z.B. vom 16. bis 27 Juni 2027 ab 4365 Euro p. P. in der Doppelkabine inkl. VP
Foto-Credit:
Petra Kirsch (28), Anja Stinshoff (1)
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