
Costa Rica – Wo Faultiere lächeln und Großsegler kreuzen
17. Juli 2026Mit einem neuen Kreuzfahrtschiff kann man den Kongo- und den Sangha-Fluss erstmals komfortabel bereisen – und hat die grandiosen Landschaften dabei quasi vollkommen für sich.
Von Fabian von Poser (Text und Fotos)
Es gibt Momente, die sind unwiederbringlich: Wir sitzen auf einer acht Meter hohen Plattform mitten im Regenwald. Dunkle Gewitterwolken ziehen über Zentralafrika. Am Himmel zucken Blitze. Es ist Tag bei Nacht. Jedes Mal, wenn sich für ein, zwei oder drei Sekunden der Himmel erhellt, sehen wir auf der Lichtung unter uns graublaue Schatten vorbeihuschen. Eine Halluzination? Nein, es sind Elefanten.
Unter Naturschützern ist die Dzanga Bai eine Legende. Die 500 Meter lange Lichtung im Herzen des Kongobeckens, die auch „Dorf der Elefanten“ genannt wird, zieht eine große Zahl von Tieren an, die man im undurchdringlichen Regenwald sonst nicht zu Gesicht bekommt: Bongo-Antilopen, Sitatungas, Pinselohrschweine, Rotbüffel, Riesenwaldschweine, Waldelefanten und manchmal auch Gorillas und Schimpansen. Angelockt werden sie vor allem von Mineralien und Salzen, die für die Tiere essenziell sind, um die tanninhaltige Nahrung des Regenwalds zu verdauen.
Elf Tage sind wir auf der RV Princesse Ngalessa, einem neuen Vier-Sterne-Kreuzfahrtschiff auf dem Sangha- und auf dem Kongo-Fluss unterwegs. Die im Dzanga-Ndoki-Nationalpark in der Zentralafrikanischen Republik gelegene Dzanga Bai ist unser erster Landausflug. Doch beginnen wir von vorne. Ein paar Tage zuvor waren wir von Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, nach Ouesso im Norden des Landes geflogen. Wenig später saßen wir – 24 Gäste aus Deutschland und Österreich – an Bord der Princesse Ngalessa, mit der der Kongo und seine Zuflüsse erstmals komfortabel bereist werden können.
- Die RV Princesse Ngalessa gleitet über den Sangha bei Ouésso – vorbei an grün überwucherten Inseln und dichtem Dschungel am Ufer
- Eine seltene und unvergessliche Begegnung: Waldelefanten (Loxodonta cyclotis) auf der Waldlichtung Dzanga Bai sind deutlich kleiner als afrikanische Steppenelefanten und werden selten höher als 2,5 Meter
- Ein Waldelefant (Loxodonta cyclotis) läuft durch den salzhaltigen Schlamm auf der Waldlichtung Dzanga Bai. Dahinter grasen Bongo-Antilopen (Tragelaphus eurycerus) mit ihrer auffälligen Fellfärbung
Auf den Beibooten fahren wir zunächst den Sangha-Fluss hinauf, nicht nur zur Dzanga Bai, wir besuchen auch andere Waldlichtungen wie die Wali Bai in der Republik Kongo und verschiedene Dörfer der BaAka. Die epischen Flusslandschaften des Kongobeckens haben wir dabei quasi ganz für uns alleine. Auf dem Fluss sehen wir oft stundenlang keine Menschen, denn anders als auf dem Amazonas in Brasilien gibt es im Kongobecken kaum Bootsverkehr und schon gar keinen Tourismus.
Um die Ansiedlungen nimmt der Verkehr auf dem Sangha zu. Bei Bomassa im Norden der Republik Kongo beobachten wir, wie sich schwer mit Bananen und Maniok beladene Pirogen gegen die Strömung stemmen. Andere trägt das Wasser still flussabwärts. Immer wieder legen wir an Kontrollposten an, an denen wir Flusszoll entrichten müssen. Alle fünf, zehn oder 15 Kilometer tauchen am Ufer Lehmhütten auf. Vor ihnen dampfen Feuer. Die Menschen hier leben vom Fluss: Sie baden im Fluss, waschen im Fluss, fangen Fisch aus dem Fluss, trinken aus dem Fluss. Wir saugen das tropische Grün um uns herum auf. In den meisten Dörfern sind wir schnell von neugierigen Kindern umringt. Es sind ganz andere Bilder als die Nachrichten, die einen üblicherweise aus dieser Region erreichen.
- Ein Abenteuer: Die Besucher sind auf dem Weg zur Waldlichtung Dzanga Bai im Nationalpark Dzanga-Ndoki. Die zum Unesco-Weltnaturerbe zählende, etwa zehn Hektar große Waldlichtung wird auch „Dorf der Elefanten“ genannt
- Für jeden Tierfreund ein Gänsehaut-Moment: Ein Silberrücken oder ganz genau ein Westlicher Flachlandgorilla sitzt im Unterholz des Nationalparks Dzanga-Ndoki und dem Fotograf gelingt diese atemberaubende Aufnahme
Als wir nach vier Tagen zurück auf der Prinzessin sind, ist die Stimmung bombig. Jeder freut sich darauf, komfortabel durch die einmaligen Landschaften des Kongobeckens zu mäandern, denn das Schiff ist die schwimmende Entsprechung eines Luxushotels. Die 14 komfortablen Kabinen sind stilvoll mit afrikanischem Dekor eingerichtet und verfügen allesamt über Klimaanlagen. Im Restaurant werden Froschschenkel und Cordon bleu serviert. Auf dem Aussichtsdeck reicht der Barkeeper kühles Bier, Weißwein und Gin Tonic. Auf die 28 Gäste kommen 20 Bedienstete. Wenn die Prinzessin am Abend beleuchtet ist, sieht sie auf dem Wasser beinahe aus wie ein Raumschiff.
- Im Norden der Republik Kongo startet die Kreuzfahrt auf der RV Princesse Ngalessa auf dem Sangha-Fluss. Mit Beibooten unternehmen die Gäste Ausflüge zu Dörfern und Tierbeobachtungen
- Afrikanisches Flair: Die Kabinen der RV Princesse Ngalessa sind schlicht, aber zum Wohlfühlen eingerichtet
Gedankenvater des Schiffs ist Nicolas Ducret. Der 45-Jährige ist in Nantes in Frankreich aufgewachsen. „Zu Hause hatten meine Eltern viele Reisebücher. Schon als Kind hatte ich nur einen Wunsch: die Welt kennenzulernen“, sagt der Franzose, als wir ihn an Deck treffen. Mit 23 reiste Ducret mit dem Fahrrad durch 26 Länder. Er überquerte den Atlantik mit einem Segelboot, ritt auf dem Pferd von Kasachstan nach Afghanistan und wanderte zu Fuß durch das Kongobecken. Später arbeitete er in Moskau für die französisch-russische Industrie- und Handelskammer.
Während Covid suchte der Unternehmer nach neuen Ideen. „Da erinnerte ich mich an den Kongo“, sagt Ducret. Wenig später leaste er die 2017 in Kinshasa vom Stapel gelaufene Princesse Ngalessa und renovierte sie 2023 aufwändig zu einem Vier-Sterne-Schiff. Um die besten Spots für seine Gäste auszumachen, erkundete er sechs Wochen lang mit einer selbstgebauten Piroge den Kongo- und den Sangha-Fluss. „Und jetzt stehen wir hier“, sagt Ducret.
Auch wenn die Prinzessin bei unserer Fahrt die Reise nicht beenden kann, weil sie kurz hinter Ouesso auf eine Sandbank aufläuft, die Passagiere auf das Auto umsteigen müssen, um die Punkte der Reise abzufahren, ist die Reise durch das Kongobecken ein Erlebnis. Wir beobachten Gorillas im Lesio-Louna-Reservat in der Republik Kongo und Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo. Und wir schippern doch noch auf dem großen Strom – und zwar bei der Überfahrt zu den Bonobos.
- Der 45-jährige Franzose Nicolas Ducret ist Gedankenvater des Flusskreuzfahrtschiffs. Er leaste die RV Princesse Ngalessa und renovierte sie 2023 aufwendig zu einem Vier-Sterne-Schiff
- In kleinen Booten sind die Besucher unterwegs zur Gorilla-Beobachtung im Naturschutzgebiet Réserve Lésio-Louna bei Moembe in der Republik Kongo
Mit 4374 Kilometern ist der Kongo nach dem Nil der zweitlängste Fluss Afrikas. Nzadi, der “Strom, der alle anderen schluckt”, nennen die Einheimischen den Kongo. Zurecht, denn am Kongo ist alles größer, gewaltiger als anderswo. Stellenweise ist der Fluss mehr als zehn Kilometer breit. Die Ufer am Horizont sind oft nur eine grüne Illusion. Strudel von noch nicht gesehener Größe ziehen alles in die Tiefe, was vorbei schwimmt: Blätter, Büsche, ja ganze Baumstämme. Doch an dem Morgen, an dem wir von Mpouya in der Republik Kongo nach Tshumbiri in der Demokratischen Republik Kongo übersetzen, liegt der Fluss spiegelglatt vor uns. An den Ufern dampfen Feuer vor den Strohhütten, Frauen waschen ihre Wäsche am Fluss, Kinder spielen am Strand.
- Mit einem unergründlichen Blick schaut der Westliche Flachlandgorilla im Naturschutzgebiet Réserve Lésio-Louna dem Fotografen in die Kamera – eine überwältigende Begegnung
- Geheimnisvoller Dschungel: Nebel liegt über dem Regenwald am Sangaa in der Präfektur Sangha-Mbaéré der Zentralafrikanischen Republik
- Zwei junge Männer sind auf einem Einbaum auf dem Sangha in der Dzanga-Sangha Complex of Protected Areas (DSPAC) unterwegs
- Der freundlich lächelnde Mann vom Volk der Baka oder BaAka ist mit seinen Jagdnetzen und einem aus Blättern gewickelten Regenhut im Dzanga-Sangha Special Dense Forest Reserve unterwegs
Mehr als zwei Wochen sind wir in der Zentralafrikanischen Republik und in den beiden Kongos unterwegs. Am letzten Tag unserer Reise sitzen wir im Restaurant „Mami Wata“ in Brazzaville, essen Hühnerfleisch mit Kochbananen, trinken Ngok-Bier und genießen einen Auftritt der so genannten Sapeurs, Mitglieder der Société des Ambianceurs et des Personnes Élégantes (SAPE), eine außergewöhnliche Subkultur, deren Mitglieder elegante Kleidung tragen. Ihre Outfits bestehen oft aus teuren Markenartikeln, zum Beispiel Anzüge von Versace, Gucci und Yves Saint Laurent. Für viele Sapeurs ist ihre Kleidung nicht nur ein Mittel, um soziale Barrieren zu überwinden, sie vertreten auch bestimmte ethische Prinzipien und treten für Frieden, Höflichkeit und Respekt vor den Mitmenschen ein.
Während wir die Sapeurs bei ihrer Aufführung beobachten, mäandert der Kongo im Hintergrund dahin. Der Pool Malebo, einst Stanley Pool, benannt nach dem britisch-amerikanischen Entdecker Henry Morton Stanley, ist nicht weit. Am anderen Ufer liegt Kinshasa, das ehemalige Léopoldville. Schade, dass wir die Prinzessin nicht in Brazzaville haben einlaufen sehen, denn seit unserer Jungfernfahrt verkehrt das Schiff ganz regulär auf dem Sangha- und dem Kongo-Fluss. Doch jeder, der den Kongo einmal bereist hat, sieht den mächtigen Strom und seine Bewohner mit völlig anderen Augen.
- Mit Stil und eleganter Kleidung für Frieden und Respekt: Die sogenannten Sapeurs trifft man in Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo am Kongo-Fluss. Ihr auffälliges Gentleman-Outfit ist eine Art Kunst-Performance, die sich für Freiheit und Gleichheit ausspricht
- Darf ich vorstellen? Das ist der Autor und Fotograf Fabian von Poser auf der Waldlichtung Dzanga Bai mit Waldelefanten im Hintergrund. Ich freue mich sehr, dass er meinen Blog mit diesem spannenden Bericht über das grüne Herz Afrikas bereichert und auch in Zukunft hier Reiseartikel veröffentlichen wird. Wer mehr über Fabian – einer der bekanntesten Reiseautoren Deutschlands – erfahren möchte: www.fabianvonposer.com
Weitere Informationen:
Anreise: Zum Beispiel mit Ethiopian Airlines (www.ethiopianairlines.com) über Addis Abeba oder mit Air France (www.airfrance.de) über Paris nach Brazzaville. Ab dort ist alles organisiert.
Einreise: Für die Republik Kongo ist ein Visum erforderlich, das vor der Reise bei der Botschaft in Berlin beantragt werden muss (www.ambacongo.de). Für die Einreise in die Demokratische Republik Kongo und in die Zentralafrikanische Republik gibt es vor Ort Sondergenehmigungen.
Beste Reisezeit: Von September bis Juni. Im Juli und August finden aufgrund des oft niedrigen Wasserstands keine Kreuzfahrten statt.
Veranstalter: In Deutschland bietet zum Beispiel Diamir Erlebnisreisen (www.diamir.de) Fahrten mit der RV Princesse Ngalessa an. Die Reise dauert 19 Tage und kostet ab 12990 Euro pro Person.
Oder:
Auch Lernidee Erlebnisreisen (www.lernidee.de) bietet eine 17-tägige Expeditions-Schiffsreise mit 9-tägiger Flussfahrt auf der RV Princesse Ngalessa auf dem Kongo-Fluss an und kostet ab 8950 Euro pro Person.
Gesundheit: Vorgeschrieben ist eine Gelbfieberimpfung. Unbedingt empfehlenswert sind auch Prophylaxe gegen Malaria, Hepatitis A und B sowie die Dreifachimpfung gegen Polio, Diphterie und Tetanus. Auf Mückenschutz achten!
Sicherheit: Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Zentralafrikanische Republik und in viele Regionen der Demokratischen Republik Kongo (www.auswaertiges-amt.de). Die mit dem Schiff bereisten Orte sowie die Republik Kongo gelten aber als sicher.
Literaturtipps: Redmond O’Hanlon, Kongofieber, Eichborn Verlag 1998; David Van Reybrouck, Kongo – eine Geschichte, Suhrkamp Verlag 2012
Weitere Informationen: Über den Reiseveranstalter und über Expeditions Ducret (www.expeditions-ducret.com)
Der Autor reiste mit Unterstützung von Diamir Erlebnisreisen.
Foto-Credit: Fabian von Poser (16)
















