
Ägypten: Orient-Magie im Beduinencamp
3. Januar 2026Die mehr als 50 Inseln der British Virgin Islands (BVI) zählen dank geschützter Buchten und stetiger Passatwinde zu den besten Segelrevieren der Welt. Der zu Großbritannien gehörende Archipel wirkt jedoch alles andere als britisch – abgesehen von vereinzelten Fish-’n’-Chips-Buden
Türkisfarbenes Wasser, puderzuckerweißer Sand und grün überwucherte Hügel: Die White Bay auf Jost van Dyke sieht aus wie eine Postkarte. Kein Wunder, dass Segler hier gerne Halt machen. Auch wir legen auf unserem zehntägigen Törn an – und schwimmen direkt zur legendären Soggy Dollar Bar. Sie hat ihren Namen von Matrosen, die einst an die Küste geschwommen sind, um ihre nassen Dollars auszugeben und auch unsere Dollars sind leicht feucht, als wir die Bucht erreichen. Doch kein Problem! Für unser nasses Geld bekommen wir den berühmten, aber gefährlichsten Cocktail der Jungferninseln, der hier erfunden wurde. Der Painkiller wird von gut aufgelegten Barkeepern in drei Stärken gemixt – No 2, No 3 und No 4, was die Unzen Rum im Getränk angibt. Der Mix aus Alkohol, Kokosnuss, Ananas- sowie Orangensaft und eine Prise Muskatnuss schmeckt köstlich. Dazu weht Calypso-Musik über den Strand und das Ring-Spiel (man muss einen Metallring auf einen Haken werfen) gelingt wie von Zauberhand.
Willkommen im lässigen BVI-Rhythmus!
- Wer die Soggy Dollar Bar per Schiff ansteuert, muss die letzten Meter schwimmen. Es gibt keinen Anleger. Aber das Gute: Auch für nasse Dollars bekommt man einen Painkiller
- Der Barkeeper „Big Bird“ mixt in der Soggy Dollar Bar auf Jost van Dyke lachend einen Painkiller – aber bitte nur mit zwei Unzen Rum
- Eine der berühmtesten Bars der Karibik: In der Soggy Dollar Bar wurde der Painkiller erfunden
Zwei Tage Tag zuvor sind wir von den Amerikanischen Jungferninseln per Fähre übergesetzt nach Tortola, die Hauptinsel der BVI. In der Nanny Cay Marina treffen wir die anderen Crew-Mitlieder und unseren Skipper. Wir checken auf einem 15 Meter langen Katamaran mit vier Kabinen und je einem Badezimmer ein – superkomfortabel. Nach Einweisung und Proviantkauf heißt es Leinen los Richtung Norman Island. Durch den Sir Francis Drake Channel segeln wir in unsere erste Bucht The Bight, einem karibischen Traum mit Piratenflair. Robert Louis Stevenson soll hier Inspiration für seine „Schatzinsel“ gefunden haben.
Wir steuern die online vorab reservierte Boje an, ein Sprung ins warme, glasklare Wasser und dann rein ins Dinghy (Beiboot). Wir essen im Pirate’s Bight Beach Bar & Grill zu Abend. Das Tolle: Unser Charter-Anbieter hat nicht nur die Route für alle zehn teilnehmenden Segelboote vorab zusammengestellt, sondern auch – für alle Crew-Mitglieder, die möchten – einen Tisch bestellt.
Wir sind rund 60 Leute, überwiegend Deutsche und alle sind im gut gelaunten Urlaubsmodus. Es ist November, die Hummersaison ist gerade gestartet: Der Salat mit gegrillten Stücken des edlen Meerestieres ist köstlich und wer kann schon einem Rum-Cocktail widerstehen? Dazu der Blick auf die Bucht unter glitzernden Sternen mit den auf den Wellen sanft wippenden Segelschiffen an den Bojen – es ist nahezu märchenhaft schön. Wem jetzt einfällt, er hat den Bikini oder die Badeshorts vergessen, wirft einen Blick in die hübsche Restaurant-Boutique und hat dort die Qual der Wahl, um das Karibik-Outfit für die nächsten zwei Wochen zu ergänzen.
Gegen Mitternacht steuert unser Kapitän mit Stirnlampe ausgerüstet das Dinghy durch die mondbeschienene Bucht zurück zu unserem Katamaran. Nur das neue Partyschiff Willi T. ist noch hell erleuchtet und Musik weht über das Wasser. Das Vorläuferschiff „The William Thornton“ wurde beim Hurrikan Irma, der Anfang September 2017 mit andauernder Windgeschwindigkeit von 297 km/h für 37 Stunden durch die Karibik wütete, zerstört wie vieles mehr auf den BVI. Aber heute ist so gut wie alles wieder aufgebaut und repariert.
Unsere erste Nacht in der Koje ist himmlisch gut. Wir schlummern zum leicht schaukelnden Rhythmus der Wellen bis zum Sonnenaufgang. Nach der ersten Schwimmrunde und Frühstück an Deck heißt es Segel hissen für zwölf Seemeilen nach Jost van Dyke. Der erste Halt die Soggy Dollar Bar, dann weiter zu Jost van Dykes größte Siedlung, der Great Harbour. Groß ist hier nichts: ein paar pastellbunte Häuschen, Hängematten zwischen Palmen, ein halbes Dutzend winziger Läden inklusive Rumbrennerei und die legendäre Bar Foxy's. Es ist eine quietschbunt mit Andenken und Geldscheinen aus aller Welt dekorierte Bretterbude am Strand. Doch nicht nur die Cocktails sind ziemlich gut, sondern auch die Burger und Meeresfrüchtegerichte. Segler und Urlauber aus der ganzen Welt pilgern hierher, um Foxy Callwood singen zu hören. Ende der 1960er öffnete Foxy seine Bar und unter Jachtbesitzern sprach sich schnell herum, dass die Bude ein super Flair hat. Wir haben Glück: Gegen 22 Uhr taucht Foxy auf, lässig läuft der mutmaßlich auf die 90 zugehende Sänger auf die Tanzfläche und wippt mit den Gästen zu Party-Songs.
- Köstlicher Hummer-Salat und ein super sympathischer Service: das Restaurant Pirates auf Norman Island
- The Bight bay bathed in magical moonlight, dozens of sailing ships moored at the buoys
- Berühmte, wild dekorierte Bretterbude am Strand: In Foxy’s Bar auf Jost van Dyke pilgern Segler aus aller Welt. Cocktails, Essen und Flair sind tipptopp
- The Bight auf Norman Island ist eine Karibikschönheit mit tollem Restaurant
Am Folgetag segeln wir entlang Tortolas Nordküste, machen Bade- und Schnorchelstops auf Palmenstrand-Postkarteninseln wie Sandy Cay und bleiben über Nacht in Marina Cay mit einem Ausflug in die Scrub Island Marina. Dank einem luxuriösen Ferienresort liegen hier große Jachten an der Mole. Zwischendurch prasselt tropischer Regen vom Himmel, also rein in die Regenjacke.
Dann machen wir uns auf zur am weitesten entfernten Insel der BVI: Die 24 Seemeilen bis Anegada sind für unseren Skipper eine Herausforderung. Die flache Koralleninsel ist nur schwer am Horizont auszumachen wegen der Strömungen und dem gefährlichen Horseshoe-Riff, auf dem rund 300 Wracks am Boden liegen sollen. Wind, Wellen, Regen – die Überfahrt gleicht einem Abenteuer, doch kaum angekommen, reißt der Himmel auf und wir fahren in die Marina bei herrlichem Sonnenschein ein.
Anegada ist eine Trauminsel mit fantastisch schönen Sandstränden, einer großen Flamingokolonie und Strandbars, in denen man die Welt vergisst. Unser Charter-Anbieter hat eine Inselrundfahrt organisiert, die am Cow Wreck Beach mit der gleichnamigen Bar endet: Ein herrlicher Sandstrand mit Palmen, türkisfarbenem Meer und einem charmanten Lokal mit ein paar Einheimischen am Tresen. Wir essen köstliche Conch Fritters (frittierte Stücke der Großen Fechterschnecke), deren leere Gehäuse dekorativ im Sand liegen, trinken eiskaltes Carib-Bier, tauchen zwischendurch im Meer ab und können uns nur von dem Traumplätzchen losreißen, weil wir einen Tisch im Anegada Reef Hotel am Abend haben. Auf der Terrasse wird dort fangfrisch der berühmte Anegada Reef Lobster über Holzkohle auf Ölfässern gegrillt – ein Genuss.
- Schneeweißer Sand, türkisfarbenes Wasser: Der Cow Wreck Beach auf Anegada ist ein Paradies
- Mit den Füßen im Sand sitzt man in Anegada Reef Hotel auf der gleichnamigen Koralleninsel und genießt Hummer vom Grill
- Einmal Schaukeln bitte am Cow Wreck Beach
- Duschen, Toiletten und Boutiquen findet man auf Angeda am Strand in in bunten Häusern
Doch genauso schön geht es am nächsten Tag weiter: Wir segeln Richtung Virgin Gorda, der drittgrößten Insel nach Tortola und Anegada, die ihren Namen Christoph Kolumbus verdankt. Er nannte sie bei seiner Entdeckung der BVI 1493 „Die dicke Jungfrau“, weil ihre Silhouette einer rundlichen Frau, die auf dem Rücken liegt, ähnelt.
Auf Virgin Gorda liegt eine der berühmtesten Attraktion der BVI: The Baths sind rund 70 Millionen Jahre alte Granitfelsen, die man bei einer großartigen Wanderung durch den gleichnamigen Nationalpark erkundet. Man klettert dabei über Gesteinsbrocken, watet durch Grotten, die je nach Tidestand vom Meer geflutet werden und quetscht sich durch schmale Felsspalten – ein Spaß, bei dem man vollkommen nass wird (Wertsachen in wasserfester Seglertasche verstauen).
Viele große Kreuzfahrtschiffe steuern The Baths an und wir waren froh, dass unser Charter-Anbieter bei der Ausarbeitung der Route darauf geachtet hat, dass an unserem Besuchstag kein Kreuzfahrtschiff vor Ort ist.
Doch Virgin Gorda ist auch ein beliebter Urlaubsspot für manchen Prominenten wie Morgan Freeman oder Richard Branson, dem das benachbarte Necker Island seit 1979 gehört und der dort ein exklusives Ferienresort besitzt. Wir bleiben über Nacht im schicken Bitter End Yacht Club. Unser Katamaran liegt dort Seite an Seite mit Luxus-Jachten und die Duschen im Hafen sind richtig schön gemacht.
Pünktlich zur Happy Hour laufen wir in der Reef Sampler Bar für einen Painkiller ein und erkunden per kurzer Dinghy-Fahrt das neue Saba Rock Hotel und Restaurant, das auf einer winzigen Felsen-Insel liegt und einen Hubschrauber-Landeplatz hat, damit VIPs und Jachtbesitzer einfliegen können.
- The Baths auf Virgin Gorda sind mächtige Granitfelsen am Strand, die Höhlen und Grotten bilden und je nach Tidestand vom Meer geflutet werden – ein Abenteuer
- Die BVIs rufen dich an! Die englische Telefonzelle steht am Saba Rock Hotel und Restaurant
- Der Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda ist super schick mit Ferienvillen am Hang. Er wurde nach dem Hurrikan 2017 neu aufgebaut. Saba Rock und Richard Bransons Insel liegen in der Nähe
Unser nächstes Ziel ist Trellis Bay auf Beef Island. Die kleine Insel ist mit einer Brücke mit Tortola verbunden und hier liegt auch der Flughafen, auf dem die meisten Gäste ankommen. Wir nehmen auf dem Weg dorthin ein paar hübsche Schnorchelbuchten mit wie The Dogs und sind am frühen Abend pünktlich zur monatlichen Full Moon Party in Trellis Bay – was für ein tolles Spektakel! Urlauber wie Einheimische tanzen zu mitreißender Reggae-Musik, bewundern Feuerschlucker und Stelzenläufer, lassen sich Conch-Salad und andere karibische Köstlichkeiten an Streetfood-Ständen schmecken und natürlich gibt es Rum-Cocktails in allen Varianten. Weit nach Mitternacht besteigen wir unser Dinghy, um glücklich in unsere Kojen zu fallen.
Unser letzter Törn führt uns nach Copper Island mit einem herrlichen Strand und Restaurant, das sein eigenes Bier braut und die Bar 280 verschiedene Rumsorten listet. Dann gehts ein letztes Mal mit einem kernigen Passatwind durch den Sir Francis Drake Channel über Soper’s Hole zurück in die Nanny Cay Marina. Die British Virgin Islands sind magisch schön und glücklicherweise müssen wir noch nicht zum Flughafen, sondern haben noch ein paar Anschlussnächte in der Cane Garden Bay auf Tortola gebucht.
- Nicht verpassen: Die Full Moon Party in Trellis Bay mit Stelzenläufern, Feuerschluckern und Cocktails
- Mein Frühsport jeden Morgen: Zehnmal um den Katamaran schwimmen und an der Boje abhängen bis zum Frühstück
- Unser Kapitän, Hans-Peter, segelt den 15 Meter langen Katamaran mit Hilfe der Crew sicher durch die rund 50 British Virgin Islands
- Der Beach Club auf Copper Island bietet 280 verschiedene Rumsorten an, darunter legendäre Tropfen
- Die Sonnenuntergänge sind postkartenreif
Weitere Informationen:
www.bvitourism.com
Langjähriger, empfehlenswerter Charter-Anbieter aus Stuttgart: www.khp-yachtcharter.com
Segeltörn zehn Tage mit Skipper in der Doppelkabine ohne Verpflegung und Bordkasse ca. 2500 Euro pro Person
Weitere Anbieter mit Yachtcharter auf den BVI z.B.:
Buchtipp: Simon Scott: The Cruising Guide to the Virgin Islands, 2024
Beste Reisezeit:
Mitte Dezember bis April ist Hauptsaison, viele Segler sind unterwegs.
November Vorsaison gutes Wetter und die Hummersaison ist gestartet.
Mai und Juni: Mildere Winde für Segler, weniger Leute und günstigere Preise.
Anreise:
Flug z.B. von Frankfurt mit Zwischenstopp auf US-Festland nach San Juan, Puerto Rico oder nach Antigua oder Sint Maarten und mit Anschlussflug weiter nach Tortola / British Virgin Islands, Terrance B. Lettsome Airport (EIS)
Oder Flug über US-Festland nach St.Thomas /Amerikanische Jungferninseln, Cyrill E. King Airport (STT) und weiter mit der Fähre nach Tortola /BVI
Fluggesellschaften z.B. Lufthansa, United, KLM, British Airways
ab mindestens 1000 Euro p.P.
Hoteltipp für Verlängerung:
Hotel Myett auf Tortola in der Cane Garden Bay
myetts.com
Ausflüge:
Callwood Rum Distillery auf Tortola in der Cane Garden Bay, die als älteste durchgehend betriebene Pot-Destillerie der Karibik gilt und traditionell Rum aus reinem Zuckerrohrsaft herstellt. Historische Anlage aus dem 17.Jahrhundert.
Die Reise war eine private Urlaubsreise.
Fotocredit:
Petra Kirsch und Patrick Heisch
- Traumplätzchen zum Entspannen: Das Netz am Bug mit Blick in die geblähten Segel und den Himmel
- Die Sonnenuntergänge sind eine romantische Wucht und auf dem Katamaran an einer Boje sitzt man in der ersten Reihe für das Naturschauspiel























4 Comments
Der Bericht ist soooo klasse Danke liebe Petra .. der Bericht macht so gute Laune da ist man echt animiert “ Koffer gepackt “ und los ⛵️👍🏻😎😍
Du bist der beste Segel-Buddy!! Danke für den tollen Kommentar! Von dir als Weltenbummler mit 100 bereisten Ländern freue ich mich besonders darüber. Hoffentlich bald bis zum nächsten Trip mit dir.
Danke für den tollen Bericht. Die Reise war super und ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte! 🤩
Entspanntes Segeln, viel Zeit im Wasser und gutes Essen ⛵
Keine Hektik – einfach leben im Moment.
Für mich eine der schönsten Arten zu reisen. Würde ich sofort wieder machen 💯
Hey Helmut, das ist ja nett, dass du mir hier schreibst! Freut mich sehr, dass dir der Bericht über unseren Segeltörn gefällt. Beim Schreiben hätte ich am liebsten wieder einen Flug gebucht auf die BVI. Es war herrlich und mit dir und der restlichen Crew würde ich sofort nochmal los segeln!