
Von Mumbai nach Kolkata – im Luxuszug quer durch Nordindien
22. März 2026Der Taj Mahal in Agra – eine Liebesgeschichte in Stein für die Ewigkeit
Das Echo trägt langgezogen meinen Namen zurück. Fast mystisch, geheimnisvoll schallt es über die Scheingräber in der achteckigen Halle unter der Zwiebelkuppel des Taj Mahal in Agra – fast so, als wolle mir das Echo die weltberühmte Liebesgeschichte von Mumtaz Mahal (1593–1631) und Shah Jahan (1592–1666) zuraunen. Das Herrscherpaar des indischen Mogulreichs ist hier beerdigt. Doch erbaut wurde das fast märchenhaft-schöne Gebäude für Mumtaz Mahal – was so viel bedeutet wie „Auserwählte des Palastes“. Sie muss eine besondere und intelligente Frau gewesen sein, die im Harem des Großmoguls Shah Jahans eine außergewöhnliche Stellung hatte.
Als Enkelkind des mächtigen Staatsbeamten Itimad-ud-Daula (s. u. „Baby Taj“) war sie mit den Staatsgeschäften vertraut, beriet ihren Mann und begleitete ihn auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen. 1631 starb sie überraschend mit 38 Jahren bei der Geburt ihres 14. Kindes in einem kleinen Ort während eines Feldzuges. Der Verlust seiner Lieblingsfrau stürzte Shah Jahan in eine tiefe Krise und veränderte sein Leben. Er überließ seinen Söhnen das politische Geschäft und wandte sich seinem Hobby, der Architektur, zu. Sein erster Bau – und bis heute bildschönes Wahrzeichen Indiens – ist das weltberühmte Grabmal für Mumtaz Mahal in Agra. Man muss es einmal gesehen haben! Es ist ein fantastisches, fast märchenhaftes Bauwerk, perfekt in Harmonie und Design. Indien verdankt dem Großmogul übrigens noch weitere herausragende Bauwerke wie das Rote Fort und die Freitagsmoschee in Delhi.
- Symbol einer unsterblichen Liebe: Tausende pilgern täglich zum Taj Mahal – ein persisch-indisches Mausoleum wie aus dem Märchen.
Zurück in der Halle des Taj Mahal, die überraschenderweise von innen viel kleiner ist, als der Bau von außen wirkt. Hier schallt jetzt ein Brausen über die Scheingräber des Liebespaares hinter dem Marmorgitter. Viele Menschen stehen Schlange. Bis zu 50 000 Besucher zählt der Taj Mahal täglich – es ist Indiens beliebteste Sehenswürdigkeit und höchstens in den frühen Morgenstunden weniger besucht.
Jeder flüstert hier im Inneren seinen Namen, um das außergewöhnliche akustische Phänomen zu erleben. 28 Sekunden lang soll das Echo erklingen und damit eines der längsten der Welt sein. Ich habe es nicht nachgemessen, aber es ist extremlang und ein magischer „Gänsehautmoment“, der auch Mumtaz Mahals und Shah Jahans Namen für die Ewigkeit bewahrt. Die eigentlichen Gräber des Herrscherpaares liegen jedoch in einer unterirdischen Krypta viele Meter unter den Kenotaphen (Scheingräber).
Doch auch von außen ist der Taj Mahal schlichtweg eine Wucht, flankiert von Zwillingsgebäuden, einer Grabmoschee sowie einem Gästehaus. Die weitläufige, von einer Mauer und Toren umschlossene Anlage im indo-arischen Stil – eine Mischung aus Elementen persischer Herkunft und altindischem Traditionshandwerk – ist beeindruckend. Man erreicht das Mausoleum, indem man durch einen herrlich bepflanzten Garten läuft, der symmetrisch mit Wasserläufen in vier Teile gegliedert ist – eine perfekte, paradiesische Harmonie. Das Grabmal selbst steht am Gartenende über dem Ufer des Yamuna-Flusses auf einem Plateau mit vier Minaretten an den Ecken. Es ist mit weißen Marmorplatten verkleidet, die mit kunstvollen Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen wie etwa Lapislazuli, Achat oder Karneol ornamental oder mit Koranversen verziert sind – eine Pracht, die sprachlos macht.
Tipp: Zu Vollmond ist der Taj Mahal manchmal für eine begrenzte Anzahl von Besuchern geöffnet, und im Mondschein – so wurde mir gesagt – leuchten die Einlegearbeiten im weißen Marmor und verzaubern das Gebäude mit einem magischen Schein.
Tipp für einen unvergleichlich schönen Blick auf den Taj Mahal: Der Garten Mehtab Bagh auf der anderen Seite des Yamuna-Flusses geht auf den ersten Mogulherrscher Babur zurück und bietet zum Sonnenaufgang eine fantastische Sicht auf das Mausoleum, dessen Umrisse langsam im Morgendunst sichtbar werden.
Infos und Ticketkauf: tajmahal.gov.in
- Ein fast märchenhaftes Wunder aus Marmor: Das Taj Mahal in Agra im Bundesstaat Uttar Pradesh besuchen täglich bis zu 50.000 Menschen, die meisten sind Inder.
- Affen lieben den Garten des Taj Mahal und können aufdringlich werden.
- Indische Fotokunst: Unzählige Fotografen warten am Taj Mahal auf Kunden, die sie für die Posen genau anweisen. Mir hat es großen Spaß gemacht. Leider lag an diesem Wintertag dicker Nebel über Agra.
- Ein super beliebter Foto-Spot am Taj Mahal ist die Marmorbank, auf der sich auch Lady Di einst fotografieren ließ.
- Der Taj Mahal von der anderen Seite des Yamuna-Flusses gesehen: Der vom Mogul-Herrscher Babur angelegte Garten Methab Bagh bietet eine fantastische Sicht auf das weltberühmte Grabmal.
Das Mausoleum des Itimad-ud-Daula – der „Baby Taj“
Nur wenige Touristen besuchen das Grabmal des Großvaters von Mumtaz Mahal, nur wenige Kilometer von ihrem eigenen entfernt. Dabei ist es ein bildschönes Juwel der Mogularchitektur. Weil es bedeutend kleiner und etwa 20 Jahre früher erbaut wurde, wird es in Indien „Baby Taj“ genannt. Hier sind ein aus Persien geflohener Edelmann namens Ghyas Begh und seine Frau bestattet. Er war sehr erfolgreich, stieg bis zum Premierminister am Hof des Großmoguls Shah Jahangir (1569–1627) auf und erhielt den Ehrentitel Itimad-ud-Daula, was so viel bedeutet wie „Stütze des Staates“. Seine Tochter Nur Jahan war die 20. und letzte Ehefrau von Shah Jahangir und ließ das „Baby Taj“ für ihre Eltern nach ihrem Tod erbauen.
Dank der einflussreichen Nur Jahan zogen viele Gelehrte, Künstler und Soldaten aus Persien in das Mogulreich. Ihr Bruder Asaf Khan ist der Vater von Mumtaz Mahal und trat nach dem Tod seines Vaters in dessen Fußstapfen.
Wer den „Baby Taj“ am Ufer des Yamuna besucht, läuft zunächst durch einen Torbau aus Sandstein und weiter durch den Garten Char Bagh, der an das Paradies erinnern soll, angelegt mit Zypressen und Obstbäumen als Symbol für Leben und Ewigkeit. Er ist – wie der Garten des Taj Mahal – in vier gleiche Teile mit vier Wasserläufen gegliedert, die für die vier Flüsse des Lebens, nämlich Milch, Wasser, Wein und Honig, stehen. Das Marmormausoleum wird von Ecktürmen und einem mächtigen Pavillon im Zentrum überragt. Die Wanddekorationen innen wie außen sind von außergewöhnlicher Schönheit: In die Marmorplatten wurden mit Halbedelsteinen geometrische Muster, Vasen, Weinkrüge oder auch Zypressen eingearbeitet, die verblüffen, und deren Technik man pietra dura nennt. In den Innenräumen mit den Kenotaphen der Verstorbenen ist der Marmorfußboden ein Blickfang: Mit eingelegten braunen und gelben Halbedelsteinen wirkt er wie ein prachtvoller Teppich im Licht- und Schattenspiel des Steingitterwerks vor den Wandöffnungen – ein magisch-mystisch schönes Bauwerk.
- Der „Baby Taj“ – harmonische Symmetrie umgeben von einem paradiesischem Garten
- Halbedelsteine im weißen Marmor im Baby Taj „malen“ eine Vase.
- Der Marmorboden im Inneren des Baby Taj
- Etwa 400 Jahre alte Pietra-Dura-Arbeiten am „Baby Taj“: Braune und gelbe Halbedelsteine sind im Marmor eingelegt und zeigen einen Weinkrug mit Vogelkopf-Henkeln.
- Der „Baby Taj“ ist viel kleiner und wurde etwa 20 jähre früher als der Taj Mahal erbaut, aber ebenfalls ein Architektur-Juwel. Blaue Plastikschuhüberzüge muss man überall anziehen, um den Marmor zu schonen.
Warum ist der Taj Mahal ein islamisches Grabmal?
Kleine Reise durch Indiens Geschichte
Etwa ein Jahr bevor ich den Taj Mahal besucht habe, war ich kurz in Delhi und bin durch die herrlichen Lodi-Gärten gelaufen. Hier stehen mehrere gewaltige Grabstätten der Herrscher aus der Lodi-Dynastie (1451–1526). Das sind die Vorläufer der Moguln. Das wusste ich damals nicht und habe mich gewundert, warum diese Mausoleen oft auch Moscheen haben und so orientalisch aussehen – mit geschwungenen Torbögen, filigranem Gitterwerk und Fassaden mit Koranversen.
Bis ich erfahren habe, dass es schon im 10. Jahrhundert eine islamische Invasion in Indien gab, die – von Afghanistan kommend – mit einem gewaltigen Heer aus türkischen Mameluken raubte, plünderte und schließlich ein islamisches Imperium mit einem Sultanat in Delhi gründete. Verkürzt gesagt, entstand daraus die Lodi-Dynastie mit einem Sultan aus Afghanistan und daran anschließend die Herrschaft der Moguln. Die Invasoren waren nicht nur in der Kriegskunst besser aufgestellt, sondern auch geeint im muslimischen Glauben – ganz gleich, ob sie Türken oder Perser waren. Hingegen waren die indischen Herrscher uneinig, und ihr strenges Kastensystem machte obendrein ein gemeinsames Vorgehen oder die Abwehr der Eindringlinge nahezu unmöglich.
Wer möchte, „reist“ mit mir noch kurz etwa 400 Jahre zurück, nämlich in die Zeit, als der „Baby Taj“ sowie der berühmte Taj Mahal in Agra erbaut wurden. Damals, sprich ab Anfang des 16. Jahrhunderts, wurde in der Indus-Ganges-Ebene rund um Delhi, Agra und Lahore die Dynastie der Moguln durch einen kriegstüchtigen Herrscher namens Babur gegründet. Er stammte aus der Steppe Zentralasiens und kam über Usbekistan und Persien nach Indien. Er legte den Grundstein für das Mogulreich, das im 17. Jahrhundert auf der Höhe seiner Macht war. Es umfasste damals Indien, die Nachbarstaaten im Norden und Teile Afghanistans. 1858 war damit Schluss: Die britischen Kolonialherren setzten den letzten Großmogul ab. Sein Reich ging in Britisch-Indien auf.
Doch während der Mogulzeit blühte die Kunst. Persisch-arabische Künstler ließen in die indischen Handwerkstraditionen von Architektur und Malerei orientalische Elemente einfließen. So entstanden fantastische, indo-islamische Bauwerke wie die Festungen in Delhi und Agra (Rote Forts), prächtige Moscheen und Mausoleen – wie etwa der Taj Mahal.
Der Besuch des Taj Mahal und des Baby Taj fand auf freundliche Einladung von Lernidee Erlebnisreisen und Anuj Dhingra statt.
Foto-Credit:
Petra Kirsch (5), Anuj Dhingra (6)












